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Dürfen Kinder, die nicht Oberstdorfer Dialekt sprechen, ein
Dialektgedicht vortragen? |
Liebe Eltern, Kolleginnen, Kollegen und Freunde der Schule,
diese Frage wurde nach dem letzten Oberstdorfer Advent aufgeworfen, als Kinder, die hochdeutsch sprechen, ein Dialektgedicht vortrugen und Dialektlieder sangen. Für manche war das ein Graus und damit ein "goaht gar it". Andere lächelten über die etwas unbeholfenen Versuche, Dialekt zu intonieren. Da schon "Broadwayjoe" die Menschheit in "Schudis" (Schon-Dialektsprecher) und "Nidis" (Nicht-Dialektsprecher) eingeteilt hat, startete ich eine dreiwöchige Umfrage, bei der die beiden "Menschenrassen" getrennt abstimmen konnten. |
| Mir als heimatverbundenem Oberstdorfer Lehrer fiel ein Stein vom Herzen, als das Ergebnis (siehe unten) feststand. Ich habe vollstes Verständnis, wenn alteingesessene Oberstdorfer Familien den Originaldialekt erhalten und ihn pflegen wollen. So würde ich auch mit Unverständnis reagieren, wenn die Theatergruppe des Trachtenvereins "gebrochen" Oberstdorferisch redete, bei Mundartveranstaltungen Dialektgedichte und -lieder nicht im Original vorgetragen würden. Deshalb verzichte ich auch selbst größtenteils auf Dialekt und spreche nur ein eingefärbtes "Allgäuerisch". (Das würde ich mir nicht anmaßen.) Doch den reinen Dialekt sprechen nur noch wenige Familien in Oberstdorf. Die Diskussionen um Echtheit vieler Dialektwörter, die das Team bei der Erstellung des Mundartwörterbuches führen mussten, sind mir noch in guter Erinnerung. Viele Wörter stammen aus einem fast vergessenen bäuerlichen Umfeld, dessen Gerätschaften noch bis ins kleinste Detail ausschließlich mit eigenen Dialektausdrücken versehen waren. |
| Eine Aufgabe der Schule ist es, die Heimat und damit auch den Dialekt unseren Kindern nahezubringen. Diese sind zwar zum größten Teil in Oberstdorf geboren, sprechen aber zu mindestens 70 % keinen Dialekt mehr zu Hause. Der Dialekt in der Schule hat viel mit Emotionen zu tun. Für mich ist es ein großer Unterschied, ob ich mit den Kindern das Lied "Lasst uns froh und munter sein" oder das Lied "Klausezit"* singe. Und ich kann Ihnen versichern, für die Kinder auch! "Es schneit, es schneit" und "Es griebelet, es schniebelet" ist ein weiteres Paradebeispiel dieser Liste. Würde ich es ernst nehmen mit der oben geäußerten Kritik, dürfte ich diese Lieder mit den Kindern nicht mehr singen und das schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Kritik dieser Art lässt auch die wenigen Kolleginnen und Kollegen, die das Pflänzchen "Dialekt" an unserer Schule noch versuchen hochzuhalten, verstummen. |
Ich bitte die strengen "Schudis" deshalb um Verständnis und Toleranz, dass wir hoffentlich noch oft Kinder bei Aufführungen Dialekt sprechen und singen hören, auch wenn sie ihn nicht beherrschen.
Euer Webmascht'r Alex Rößle
* Anmerkung: Eigentlich dürften wir dieses Lied gar nicht singen, denn es ist, wie viele Dialektlieder, nicht im Oberstdorfer Dialekt geschrieben. |
| Endergebnis der Abstimmung: |
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| Ausführliche Meinungen zum Thema "Dialekt in der Schule" |
Wer sich gerne ausführlicher zu diesem Thema äußern möchte, kann seine Meinung im unten angegebenen Gästebuch kundtun! |
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